Das Züchten


"Das Geschäft des Züchters ist keine leichte Kunst; es erfordert einen außerordentlich scharfen Blick, eine große Geduld, eine äußerst sorgsame Behandlungsweise der zu erzüchtenden Organismen!"
Ernst Haeckel, Natürliche Schöpfungsgeschichte
Nach unserer Auffassung sind alle Diskussionen und Streitereien über die Zielsetzungen einer Schäferhundezucht unnötig, denn die Ziele sind seit langer Zeit vom Gründer unseres Zuchtverbandes klar formuliert:

Leitsatz: Schäferhundzucht ist Gebrauchshundzucht
Ziel: höchste Leistungsanlagen in vollendetem Gebrauchsgebäude
d.h. vollgesunde, leistungsfähige Tiere, von harter Verfassung, scharfen Sinnen und festem Wesen
Zitate
von Rittmeister Max von Stephanitz: „Der Deutsche Schäferhund",
1. Taschenbuchausgabe, III. Abschnitt: Das Züchten, Seiten 587 bis 672


Leitsatz

·Schäferhundzucht ist Gebrauchshundzucht, muß immer Gebrauchshundzucht bleiben, sonst ist sie keine Schäferhundzucht mehr !

Zuchtziele und Zuchtverwendung

·... was wir wollen: harte, dreiste und leistungsfähige Arbeitshunde

·Im Gegensatz zur Nutz- und Gebrauchszucht steht die Sportzucht, die der damit beglückten Rasse zwar kurzen Aufschwung, dann aber sicheren Untergang bringt, ... weil sie nicht um des Hundes willen erfolgt, nicht um den besser und brauchbarer zu machen, sondern um der Eitelkeit des Züchters oder späteren Käufers willen. Das Wort Sport bedeutet zwar Wettbewerb um Höchstleistungen. Dieser Wettbewerb gipfelt aber im Ausstellungswesen, das, weil es keine Leistung fordert wie z.B. in der Pferdezucht der Rennbetrieb, nur zu leicht zum Wertlegen lediglich auf Äußerlichkeiten der Form, auf glatte Schönheitsbegriffe, statt auf inneren Gehalt verleitet.

·... ist der Hund nurmehr Ware, wird als solche gezüchtet und behandelt. Damit setzt aber eine weitere Gefahr für die Rasse ein: der Hund wird nicht mehr nach der Rasse dienlichen Grundsätzen gezüchtet, sondern so, dass er marktfähig ist. Mit anderen Worten, die Zuchtrichtung wird nicht mehr vom Kenner, sondern vom Käufer beeinflusst.

·... Zuchtziel ...: höchste Leistungsanlagen in vollendetem Gebrauchsgebäude

·Gebrauchshundzucht verlangt vollgesunde, leistungsfähige Tiere, von harter Verfassung, scharfen Sinnen und festem Wesen, arbeitsfreudig, dazu aber auch körperlich und seelisch zur Arbeit geeignet. Das wären schon Richtpunkte in genügender Zahl, auf die hin gezüchtet, aber auch beurteilt werden sollte. Ein diese Bedingungen erfüllender Hund entspräche dem aus alter Erfahrung und Einsicht gewonnenen Rassebilde und er wäre zugleich „schön", weil er zweckmäßig gebaut und geistiger Adel aus seinem Auge strahlt.

·Arbeitsleistung muß dem Schäferhundzüchter höher stehen als Schauerfolg !

·Gerade der Schäferhund braucht keine nur in die Höhe gehende Edelzucht, sondern vor allem die in die Breite sich erstreckende Gebrauchszucht.

·Hochzucht, Edelzucht, müssen wir haben. Sie schafft Vorbilder und soll die Rasse im Ganzen allmählich heben, nicht aber ihr meilenweit vorauseilen; dann würde sie nur leicht Fehlwege einschlagen. Zugleich muß sie aber auch leistungsfähig bleiben, nicht bloß körperlich, sondern auch geistig, und muß das auch erweisen.

·Hundezucht muß „Liebhaberzucht" sein, sie kann nicht wie andere Tierzucht berufsmäßig, des Broterwerbs wegen betrieben werden. ... Am geeignetsten für die Gebrauchshundzucht ist der Kleinzüchter, der mit ein oder zwei Hündinnen arbeitet, ...

·Der Züchter ... darf weder Zeit noch Werte verschwenden, will er auf der Höhe bleiben oder vorwärts kommen in seinem Streben. Bei ihm muß die künstliche die natürliche Zuchtauswahl ersetzen, will er seiner Aufgabe gerecht werden und sich und der Rasse nutzen. Sein Streben muß auf höchste Vollkommenheit im Rahmen der allgemeinen Rassezuchtziele gerichtet sein, die Auslese der Minderwertigen muß er selbst vornehmen, sonst besorgen das Markt und Mitbewerber schärfer als ihm lieb. Ist er ein verständnisvoller, nicht eigensüchtig nur auf seinen vorübergehenden Vorteil bedachter Züchter - und nur so einer verdient diesen Ehrennamen ! - so muß er auch darauf bedacht sein, nicht Raubbau auf Kosten der Gesundheit und Lebensfähigkeit der Rasse zu treiben. Er darf also nicht bloß deren nähere Zukunft und von seinem Standpunkt aus ins Auge fassen, sondern er muß auch Rücksicht auf ferner liegende kommende Zeiten und den Standpunkt der Gesamtheit nehmen.

·..., wenn die Masse der „Züchter", die keine sind, sich blindlings auf die dann überlaufenen Preisträger stürzt.

·Die Hündinnen sind Trägerinnen der Zucht, sie sollten der Rasse das erhalten, was wir von ihr verlangen und was wir an ihr lieben. Darum muß bei der Hündin unbedingt die gehaltvolle, durch und durch gesunde und wesensfeste der schönen, durch ihre Erscheinung blendenden vorgezogen werden.

·..., dass Zuchtwert und Ausstellungswert zwei grundverschiedene Dinge sind, die nichts miteinander gemein zu haben brauchen, und ferner, dass eine Austellungsbewertung niemals als Urteil über Zuchtwert, sondern nur, aber auch mit Einschränkungen, über die Zuchteignung eines Hundes gelten kann.